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Schichtwechsel – temps et mouvement (Darmstadt 2006)

... Ganz anders Franz Martin Olbrisch in seinem Nachtkonzert in der Kunsthalle. Seine elektronischen Klänge im Konzertenvironment "Schichtwechsel - temps et mouvement" für zwölf Lautsprecher und Videoprojektionen (Beate Olbrisch) wirken nicht kopflastig, sondern lassen Spontaneität zu, vor allem beim Publikum, das des Raum durchwandern, förmlich die Musik begehen kann. Denn vom jeweiligen Standort aus gewinnt man andere Hör- und Sehperspektiven. Auf dem Boden verteilt liegen, vergleichbar mit einem Mondrian-Gemälde, grafisch angeordnete Polysterol-Spiegel, die verändern die Videos und spiegeln gleichzeitig den Raum in der Kunsthalle. Hinzu kommt noch der Schatten der Besucher beim Begehen dieser Klang-Installation; dieser Schatten wird sogleich Teil des Environments.

Vieldeutig ist der Titel "Schichtwechsel". Er spielt an auf den Alltag aber auch auf die Klangschichten, die Veränderungen der Videobilder, die sich auf die Spiegel wie Schichten legen, die schließlich verändert werden durch Zeit und Bewegung. Ein faszinierender Prozess zu den impulsiven Klängen und Geräuschen. Wie gefräßige Fischmäuler spiegeln sich die Füße, die, per Video eingespielt, der Spiegel selektiert und bricht. Kopf und Bauch bilden in diesem Konzertenvironment ein faszinierendes Zusammenspiel, das mehr aussagt als manche versponnene Ensemblekomposition.

Darmstädter Echo vom 8.8.2006 (Heinz Zietsch)